Unternehmensübergreifende Datenkommunikation verändert den Wettbewerb

Von Ralf Keuper

Daten über die Unternehmensgrenzen hinweg mit Partnern zu tauschen, ist einer der Grundpfeiler von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge (IoT). Bereits 1985 veröffentlichten James J. Cash und Benn R. Konsynski den Beitrag Die Datenkommunikation verändert den Wettbewerb.  Als Beispiel für Computernetzwerke, die zu dem Zeitpunkt bereits eine Datenkommunikation über die Unternehmensgrenzen ermöglichten, nannten die Autoren u.a. das Platzreservierungssystem Apollo. Im Bereich Banking wurden das Cirrus  ATM-Netzwerk und das Home Banking von CompuServe erwähnt.

Einer der Treiber für die Datenkommunikation zwischen Unternehmen und Branchen waren bzw. sind die verschiedenen Standards und Normierungen:

Mit dem Bedarf an besseren und schnellerem Datenaustausch ist das Interesse an Standards, Protokollen und Produktkodierungen gewachsen. Waren es zunächst regierungsamtlich verordnete Regeln, die eine Standardisierung förderten, führen nun Branchenverbände und Industriegruppen solche Standardisierungen ein. Beispiele sind der Universal Product Code (UPC), den Lebensmittelfilialisten verwenden, und die magnetische Zeichenerkennung, die bei Kreditkarten und Geldautomaten Anwendung findet. Eine solchermaßen vereinheitliche Form von Daten und Produktmerkmalen ermöglichen es immer mehr Organisationen, sich an firmenübergreifenden Netzen anzuschließen (in: Harvardmanager. Informations- und Datentechnik, Band 1).

Beispielhaft dafür sind der OPC-UA – Standard für die Industrie 4.0 oder das Data Transfer Project von Google, Microsoft, facebook und twitter.

In dem Kapitel Firmenübergreifende Computernetze kontra interne Datenkommunikation hoben die Autoren die Vorteile offener Netzwerke gegenüber betriebsinternen hervor:

Ganz allgemein erklärt, besteht ein firmenübergreifendes Informationssystem aus einer Computer- und Kommunikationsinfrastruktur, mit dem man zum Beispiel Platzreservierungen oder Kaufabschlüsse abwickeln kann. Angeschlossen daran sind die eigentlichen Teilnehmer und ein Dienstleistungsunternehmen. Teilnehmer sind Organisationen, die zum Zwecke des geschäftlichen Datenaustauschs ein Informationssystem entwickeln, betreiben und nutzen. Das Dienstleistungsunternehmen unterstützt die angeschlossenen Firmen bei der Entwicklung, dem Betrieb und der Anwendung. Die dazu notwendigen Produkte und Serviceleistungen zählen zum Hauptgeschäft des Dienstleisters (ebd.).

Das Profil des beschriebenen Dienstleisters entspricht in weiten Teilen dem eines Vertrauensdienstleisters.

Wichtig für die reibungslose Arbeit der Computernetzwerke ist, dass im Hintergrund eine Organisation für die Einhaltung der Regeln sorgt:

Die Schlüsselfrage bei der Teilnahme an einem Kommunikationsnetz besteht darin, inwieweit Grundsatzentscheidungen über die Nutzungsmöglichkeiten beeinflusst werden können. Anders gesagt: Wer über Zugang, Beteiligung und Teilnahmebedingungen entscheiden kann, hat die Kontrolle über das System (ebd.).

Ein Punkt, der bei der Verwendung der Blockchain-Technologie erfolgsentscheidend sein kann (Vgl. dazu: Europaletten mit der Blockchain verwalten).

Zuerst erschienen auf Identity Economy

Veröffentlicht unter Internet der Dinge, M2M Kommunikation und Payments, Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Auch Maschinen müssen sich ausweisen

Von Ralf Keuper

Wenn Maschinen an der Kommunikation mit anderen Maschinen im eigenen Betrieb oder über die Firmengrenze hinaus teilnehmen wollen, dann müssen sie sich, ebenso wie natürliche Personen, ausweisen. In dem Beitrag Maschine! Bitte ausweisen! wies der Autor Friedrich Tönsing seinerzeit darauf hin, dass der Identitätsdiebstahl im Internet der Dinge zu einem echten Problem werden könnte.

Bisher waren Industrielle Steuerungssysteme (ICS) von anderen IT-Systemen und Netzen entkoppelt. Von außen konnte man nicht an die Steuerungssoftware einer Produktionsstraße heran. Inzwischen bekommen Maschinen wie Rechner, Drucker oder Smartphones eigene IP-Adressen, womit man sie übers Netz aus der Ferne ansteuern kann. Zudem tauschen die Maschinen untereinander Daten aus, mit denen sie die Produktion selbständig steuern.

Eine Antwort darauf sind Maschinenzertifikate, wie sie u.a. von der Bundesdruckerei angeboten werden (Vgl. dazu: Sicherheit im Internet of Things Maschinenzertifikate – Made in Germany).

In modernen Industrie-4.0-Umgebungen sowie beim Internet der Dinge spielen Zertifikate eine entscheidende Rolle. Sie geben jedem Werkstück und jeder Maschine eine starke Identität, mit der sie sich gegenüber verbundenen Geräten, Personen und Systemen in der digitalen Welt ausweisen können. Somit wird sichergestellt, dass nur berechtigte Geräte Zugriff auf Ihre Daten haben und die Kommunikation zwischen den Geräten sicher geschieht.

In dem Projekt Sichere Digitale Identitäten wurden verschiedene Szenarien durchgespielt. Weitere Auskunft geben das Ergebnispapier Technischer Überblick: Sichere Identitäten. und die Seiten des Iuno-Projekts.

Der OPC-UA – Standard sieht die Rolle sog. Certificate Authorities (CA) vor. Im International Data Space übernimmt diese Funktion das Clearinghouse. Wie soll man sich diese Organisationsform vorstellen? Lässt sich das elektronisch abwickeln, benötigt man dazu eigenständige, externe Institutionen/Organisationen, welche Rolle könnten Distributed Ledger Technologies wie die Blockchain (z.B. IOTA, Streamr oder Weeve) dabei übernehmen?

Ohne entsprechende Organisationsstrukturen und Instanzen wird es m.E. nicht gehen. Benötigt werden sog. Data Banks oder Identity Banks. Diese übernehmen das Clearing der Daten und der Identitäten unter den (berechtigten) Teilnehmern. Ebenso ist vorstellbar, dass darüber die Erlöse, die Wertschöpfung aus den Daten verrechnet wird. Entsprechende Standards für den Datenaustausch und die Bezahlung müssen definiert und implementiert werden, wie SAREF.

Abgesehen davon sind die Entwicklungen im Bereich der Identifikationstechnologien von großer Bedeutung. Wie können Maschinen schnell und datensparsam identifiziert werden? Welche Attribute sind nötig, welche nicht? Wie sind digitale Zwillinge zu bewerten?

Zuerst erschienen auf Identity Economy

Veröffentlicht unter Digitale Identitäten, Digitale Zwillinge, Industrial Internet der Dinge, Internet der Dinge, M2M Kommunikation und Payments | Hinterlasse einen Kommentar

Banking trifft Metrologie

Von Ralf Keuper

Ohne die Einigung auf Maßeinheiten wäre der globale Austausch von Gütern und Dienstleistungen nur unter hohen Kosten und großem Aufwand möglich; er würde zu Abstimmungsproblemen und Rechtsstreitigkeiten führen, die ein Geschäft schnell unattraktiv machen. Das gilt auch für das Inland. So betrachtet ist die Metrologie, die Wissenschaft des Messens, die stille Herrscherin der globalen Ökonomie. Vor der Verwirklichung unseres heutigen internationalen Einheitssystems im Jahr 1960 lag ein langer Weg, der sich über Jahrhunderte hinzog, wie Felix Martin in Geld, die wahre Geschichte hervorhebt:

Die Schaffung des Internationalen Einheitensystems war daher die sichtbare und materielle Manifestation einer tiefgreifenden, aber unsichtbaren Wandlung in der Geschichte der menschlichen Ideen. Dieser Prozess dauerte Jahrhundert – vermutlich sogar Jahrtausende.

Mittlerweile wurde das Internationale Einheitensystem an die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung angepasst, wie beim Urkilo. Es wird künftig durch eine Naturkonstante, das Plancksche Wirkungsquantum, ersetzt. Daneben wurden vier weitere SI-Einheiten neu definiert (Vgl. dazu: Revolution der Metrologie). Kurzum: Die Welt des Messens wird (noch) abstrakter.

Die zunehmende Digitalisierung, d.h. die Vernetzung von Mensch und Maschine mittels Datenübertragung in Echtzeit, ruft daher auch die Metrologie auf den Plan. In Deutschland ist die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig die oberste Instanz bei allen Fragen des Messens. Neben dem  NIST in den USA und dem NPLin Großbritannien zählt die PTB laut Wikipedia zu den führenden Instituten der Metrologie.

In Metrologie für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hat die PTB ihre Digitalisierungsstrategie beschrieben. Warum sich die PTB dazu veranlasst sah, geht aus den folgenden Zeilen hervor:

Messwerte, Daten, Algorithmen, mathematische und statistische Verfahren sowie Kommunikations- und Sicherheitsarchitekturen bilden die Grundlage der digitalen Erweiterung und Transformation. Somit ist die digitale Ertüchtigung der Qualitätsinfrastruktur (QI) – dem Dreiklang aus Metrologie, Normung und Akkreditierung – sowie des gesetzlichen Messwesens mit Konformitätsbewertung, Eichwesen und Marktüberwachung zentrale Voraussetzung für das Gelingen der digitalen Transformation zu einer vernetzten Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Der Physikalisch-Tech- nischen Bundesanstalt (PTB) als dem nationalen Metrologieinstitut obliegt dabei eine Schlüssel- rolle mit vielfältigen Zuständigkeiten und Kompetenzen.

Zentraler Baustein der Digitalisierungsstrategie der PTB ist die European Metrology Cloud.

Ihr Fundament bildet eine vertrauenswürdige Hauptmetrologieplatform in jedem Mitgliedsstaat, die dafür gedacht ist gesetzliche Verfahren durch das Anknüpfen an bestehende Infrastrukturen und Datenbanken zu unterstützen und zu vereinfachen und um eine zentrale Anlaufstelle für alle Interessenten bereitzustellen. Innerhalb dieser Qualitätsinfrastruktur, werden Referenzarchitekturen, wie z.B. innovative Messinstrument sowie auch technologisch und datengetriebene digitale Dienstleistungen des gesetzlichen Messwesens entwickelt.

Mit der European Metrology Cloud soll die Bildung des Digitalen Binnenmarkts in Europa unterstützt werden.

Die Metrologie sei überdies ein Mittel, um die Martkdominanz der großen Plattform-Unternehmen aus den USA und Asien zu begrenzen.

Die Beherrschung von Schlüsselkompetenzen in den Bereichen der Kalibrierung, IT- Sicherheit, Messtechnik und Datenanalyse ist .. die Grundlage für eine bedarfsorientierte Standardisierung. .. In den Expertendiskussionen an der PTB wurde ebenso mehrfach vor einem sogenannten „Plattformkapitalismus“ gewarnt, der durch die Marktdominanz einzelner Unternehmen entstehen kann und der nicht zuletzt KMU ganz wesentlich bedroht. Dem kann nur mit einer flexiblen und verlässlichen Normensetzung und Standardisierung begegnet werden. Dies ist insbesondere in einer globalisierten Wirtschaft von großer Bedeutung, um die Handlungsmög- lichkeiten deutscher und europäischer Unternehmen nicht durch andere globale Wettbewerber begrenzen zu lassen.

Auf die Bedeutung von Standards für das Banking wurde auf diesem Blog häufiger hingewiesen (Vgl. dazu: Technologie- und Industriestandards beschleunigen die “Bankendämmerung” #1).

Wie die anhaltende Diskussion um die Ethik von Algorithmen und Daten zeigt, und nicht zu vergessen die mittlerweile zahllosen Fälle von Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl, besteht die größte Gefahr der Digitalökonomie darin, dass die Verbraucher das Vertrauen in die Gültigkeit der Aussagen/Bewertungen im Netz sowie in die Authentizität ihrer Geschäftspartner verlieren. In der Industrie wird die Frage immer kritischer, wie sich die Echtheit von Produkten und Patenten beweisen lässt. Die erwähnte European Metrology Cloud ist daher von großer strategischer Bedeutung für die europäische Wirtschaft. Auch künftig werden Instanzen benötigt, die in der Lage sind, das nötigen Vertrauen in die Transaktionen und die beteiligten Akteure herzustellen und zu sichern (z.B. verifizierte Digitale Identitäten für Personen, Sichere Digitale Identitäten für Maschinen, Maschinenzertifikate, Algorithmic Angels, Datengenossenschaften, Identity Banks). Eine Rolle, die von Banken oder bankähnlichen Institutionen übernommen werden kann – im Zusammenspiel mit weiteren Instanzen, wie der PTB. Auf diese Weise entsteht ein neuer Wirtschafts- und damit auch Bankstil. Die Banken bzw. ihre Nachfolgeinstitutionen sollten daher (pro-)aktiv an der Entwicklung entsprechender Standards mitwirken.

Zuerst erschienen auf Bankstil

Veröffentlicht unter Banking, Digitale Identitäten, Internet der Dinge | Hinterlasse einen Kommentar

Smart Objects und Smart Finance Ansätze (SOFiA)

Von Ralf Keuper

Von allen Branchen, das mag zunächst verwundern, ist die Landmaschinenindustrie in Sachen Digitalisierung am weitesten. In Deutschland ist Claas mit seiner Tochtergesellschaft Claas E-Systems Vorreiter der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Ende 2017 bezog das Unternehmen seine neuen Räumlichkeiten an der A33 zwischen Bielefeld und Osnabrück. Wer sich mehr für das Thema interessiert, sei auf den Vortrag Daten als Fundament und Treiber für die digitale Transformation bei CLAAS verwiesen. Ein Satz daraus lautet:

German Farms are more digital than German Factories

und, so möchte man hinzufügen: more than German Banks 

Im November 2015 startete unter der wissenschaftlichen Leitung des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund das vom Bund geförderte Projekt SOFiA (Smart Objects und Smart Finance – Ansätze). Projektpartner aus der Industrie sind neben Claas noch Diebold Nixdorf und Ekol. Das Projekt lief im Oktober 2018 planmäßig aus.

Zur Zielsetzung des Projekts:

Das Ziel des Projekts »SOFiA« ist es, logistische Objekte mit allen logistischen und finanziellen Informationen auszustatten, um eine vollständig autonome, dezentrale Entscheidung und Abwicklung zu ermöglichen. Neben einem Anwendungsfall im Supply Chain Management wird auch die Flottensteuerung von Maschinen zur Ernte, zum Transport und Einlagerung von landwirtschaftlichen Rohstoffen betrachtet.

Use Case:

Zukünftig soll der Container selbst zum Disponenten werden. Als solcher erkennt er Verzögerungen, analysiert Handlungsalternativen und wählt die beste Transportroute aus. Anschließend beauftragt der Container einen Carrier (Logistikdienstleister) und wickelt die Bezahlung über mobile Business-to-Business-Payment-Technologien in Echtzeit ab.

Im dem Video wird am Beispiel des Ernteeinsatzes eines Lohnunternehmens verdeutlicht, wie Logistik, Landwirtschaft und B2B-Payments zusammenspielen. Am Ende des Tages rechnet der Lohnunternehmer seine Leistung mit dem Landwirt ab; die Bezahlung erfolgt automatisch.

Das sind nur einige Szenarien, die demnächst durch die Verbreitung des Internet of Things auf die Bankbranche zukommen. Die Frage stellt sich, an welcher Stelle es noch einer Bank bedarf. Die Kerntechnologie für die Leistungserfassung und Zahlungsabwicklung ist übrigens die Blockchain …

Weitere Informationen:

Bank-IT: Die Ankunft der technischen Objekte

Banking trifft Internet of Things (IoT), oder: Wenn der Kühlschrank zur Bank wird

Zuerst erschienen auf Bankstil

Veröffentlicht unter Banking, Industrial Internet der Dinge, Internet der Dinge, M2M Kommunikation und Payments | Hinterlasse einen Kommentar

Digitale Zwillinge und ihre Beziehung zum Banking

Von Ralf Keuper

In der Industrie sind Digitale Zwillinge, d.h. digitale Abbilder von Maschinen, Komponenten oder Prozessen, schon recht weit verbreitet. Mittlerweile häufen sich die Empfehlungen, hauptsächlich von Beratern, das Konzept der digitalen Zwillinge auf Personen auszudehnen. Beispielhaft dafür sind:

Digital twins: Manufacturing embraced them, Will banks follow suit?

Digital twins beyond the industrials

Disrupting the financial and banking services using digital twins

Im Prinzip geht es dabei darum, den Kunden einen digitalen Zwilling zur Seite zu stellen. Dieses Digitale Double erfasst die Interaktion der Kunden mit ihren diversen Geräten sowie ihr Ausgabeverhalten. Mittels der Verfahren der Künstlichen Intelligenz und Big Data, so die Hoffnung, lässt sich damit ein realitätsnahes Bild des jeweiligen Kunden erzeugen. Auf Basis der Daten bzw. des Zwillings können, wie in der Industrie, Simulationen durchgeführt werden im Sinne von: Was wäre, wenn? – um so zusätzlichen Beratungs- und Finanzierungsbedarf frühzeitig zu erkennen – also in etwa das, was in der Industrie als Predictive Maintenance bekannt ist.

Ob diese Idee tatsächlich so revolutionär und kundenfreundlich (vom Datenschutz ganz zu schweigen) ist, sei dahin gestellt. Im Grunde wird dieses Verfahren in der Praxis schon längst verwendet, wie in Gestalt von Identity Graphs, Schattenprofilen und Social Graphs wie bei facebook. Ganz abgesehen davon stellt sich die Frage, wie die Banken überhaupt an die entsprechenden Daten herankommen wollen – wie soll der Zugriff auf die Gerätedaten, wie dem Smartphone, geregelt werden? Was sagen die Hersteller dazu? Ganz so einfach, wie die Modelle suggerieren, wird es nicht. Auf diesem Gebiet wird für die Banken kaum ein Weg an Apple, Google, Samsung, Microsoft oder den Herstellern von Industriegütern vorbei führen. Diese können die Daten auch selber aufbereiten und den Kunden direkt zur Verfügung stellen. Dafür braucht es keinen Vermittler wie eine Bank.

Solange die Banken nicht in irgendeiner Form Zugang zu der Quelle und damit den Herstellern finden und ihren Mehrwert nicht glaubhaft vermitteln können, wird es schwierig, digitale Zwillinge für die Kundenbindung und die Generierung von Neugeschäft zu verwenden. Hier befinden sich die herstellerabhängigen sowie die herstellerunabhängigen Industriefinanzierer in einer deutlich besseren Position (Vgl. dazu: Der leise Antrieb der Autoindustrie & Die Industrie gründet ihre eigenen Banken). Das große zusammenhängende Bild über alle digitalen Zwillinge, mit denen der digitale Zwilling Kunde interagiert und kommuniziert werden, wenn überhaupt, nur ganz wenige Technologieunternehmen und weniger die Banken erzeugen können. Zudem stellt sich die Frage, ob sich das menschliche Verhalten, noch dazu in Verbindung mit Geräten, so einfach vorhersagen lässt. Zweifel sind angebracht.

Wo Banken ihre Expertise glaubhaft einbringen können, ist im Bereich Cybersecurity. Wenn die Kunden und Hersteller bereit sind, ihre Daten Banken oder bankähnlichen Institutionen für Analyse-und Simulationszwecke zur Verfügung zu stellen, dann bietet sich hier ein lukratives Geschäft.

Veröffentlicht unter Banking, Digitale Zwillinge, Industrial Internet der Dinge, Industrie 4.0, Internet der Dinge | Hinterlasse einen Kommentar

Aussichten auf dem Markt für Digitale Zwillinge rosig

Von Ralf Keuper

Die Aussichten auf dem Markt für Digitale Zwillinge sind rosig. Bis zum Jahr 2023, so eine Studie von Juniper Research, wird der Umsatz mit Digitalen Zwillingen von geschätzten 9,8 Mrd. Dollar in diesem Jahr auf 13 Mrd. Dollar im Jahr 2023 steigen. Ähnlich optimistisch sind die Marktstudie von Coherent Insights für den Zeitraum 2018-2026 und der Digital Twin Technology Industry Forecast To 2025 von Garner Insights sowie der Global Electrical Digital Twin Market: Overview von TMR.

Veröffentlicht unter Digitale Zwillinge, Industrial Internet der Dinge, Internet der Dinge, M2M Kommunikation und Payments | Hinterlasse einen Kommentar

Microsoft auch im IoT als führendes Betriebssystem?

Von Ralf Keuper

Es ist eigentlich nur ein Analogie-Schluss, wenn Microsoft seine “Kernkompetenzen” in Sachen Betriebssysteme und Cloud in das Internet der Dinge überträgt. Diese Vermutung liegt mit Blick auf den Beitrag Microsoft acquires Express Logic for its real-time internet of things operating system nahe. Bei Express Logic handelt es sich um einen Entwickler von real-time operating systems (RTOS) für das Internet der Dinge und Edge Devices.

Microsoft erhofft sich durch den Kauf jedenfalls einige Synergien:

“With this acquisition, we will unlock access to billions of new connected endpoints, grow the number of devices that can seamlessly connect to Azure and enable new intelligent capabilities,” wrote Microsoft’s director of IoT Sam George in a blog post. “Express Logic’s ThreadX RTOS joins Microsoft’s growing support for IoT devices and is complementary with Azure Sphere, our premier security offering in the microcontroller space.”

Der Kauf rundet Microsofts Lösungsportfolio für den Bereich IoT ab:

In addition to Azure Sphere, Microsoft’s rich ecosystem of IoT products includes Azure Digital Twins, Azure IoT Edge, Azure Maps and Azure IoT Central. Separately, it’s partnered with companies like DJI, SAP, PTC, Qualcomm, and Carnegie Mellon University for IoT and edge app development.

Da ist Musik drin.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

Veröffentlicht unter Digitale Identitäten, Industrial Internet der Dinge, Internet der Dinge | Hinterlasse einen Kommentar

Zukunftsmarkt IoT Payments

Von Ralf Keuper

Das Internet der Dinge steht zwar erst noch am Anfang; trotzdem ist der Wettlauf um die besten Plätze bereits im vollen Gange. Neben den großen digitalen Plattformen bringen sich die ersten Banken und Zahlungsdienstleister in Position, wie IBM und Visa, deren Ziel es ist, jedes mit dem Internet verbundene Gerät zu einem Point of Sale zu machen.

Ein weiteres Beispiel ist ingenico. Auch dort setzt man auf IoT Payments.

Die Banken stellt das Internet of Things vor große Herausforderungen, sind ihre Kernbankensysteme auf die Ankunft der technischen Objekte noch nicht wirklich vorbereitet. Auf einer Podiumsveranstaltung von Sibos war das Thema daher The Internet of Things and banks’ core platforms.

Die Hoffnung ist, dass die Banken sich als wesentlicher Player in diesem neuen digitalen Ökosystem etablieren können. Die größte technische Herausforderung wird sein, die ungeheure Menge an Daten verarbeiten und die Geräte verwalten bzw. erkennen zu können. Ganz abgesehen von der Frage der Sicherheit.

In Japan arbeitet die Minzuho Bank bereits an einer IoT Payments Platform, wie in Japanese bank Mizuho begins development of IoT payments platform berichtet wird. Dafür kooperiert die Bank mit dem IoT-Startup Soracom, das eine Kommunikationsplattform für das Internet der Dinge entwickelt hat. Hinzu kommt noch Liquid, ein Anbieter von fingerprint-Sensoren. Zu der gemeinsamen Zielrichtung heisst es:

The firms are trialing the use of IoT devices and an application programming interface (API) by working with Liquid, which will provide a payment terminal with fingerprint recognition sensors known as “Liquid Regi”. This will enable bank transfers and balance inquiries at the touch of a finger.

Die japanische Industrie hat nicht die Absicht, die Datenhoheit über das Internet of Things zu verlieren. Aus diesem Anlass haben sich 100 der führenden Industrieunternehmen zusammen getan, um eine Datenaustauschplattform zu entwickeln.

Die Internetkonzerne wie Alibaba sind da nach meinem Eindruck noch einen Schritt weiter. Sie können Software, Produktion und Logistik in einer Form kombinieren, wie das Banken in dieser Form nicht möglich ist (Vgl. dazu: Elektro-Lieferfahrzeuge als Logistik- und Datenplattformen).

Und wenn Daten die neue Währung sein sollten, dann ist es nur folgerichtig, wenn wir schon bald einen Internet of Things Data Marketplace bekommen, wie in tilepay plant:

Allerdings muss vorher noch die Frage noch der Sicherheit und der Datenqualität im IoT befriedigend geklärt werden. Davon sind wir momentan noch ein gutes Stück entfernt. Ganz abgesehen von der Frage nach der Privatheit.

Zuerst erschienen auf Bankstil

Veröffentlicht unter Digitale Identitäten, Internet der Dinge, M2M Kommunikation und Payments | Hinterlasse einen Kommentar

IoT Automotive: Digital Identity for Autonomous Vehicles

Veröffentlicht unter Blockchain und Distributed Ledger Technologien, Digitale Identitäten, Industrial Internet der Dinge, M2M Kommunikation und Payments | Hinterlasse einen Kommentar

Kryptografisches Banking

Von Ralf Keuper

Als im Jahr 1983 das OSI-Modell veröffentlicht wurde, war die Zeit der Vorherrschaft von IBM in der Computerindustrie gebrochen. Bis dahin konnte IBM eigene de-facto-Standards setzen, die von der Branche und den Kunden wohl oder übel akzeptiert wurden.

Demgegenüber setzte das OSI-Modell auf Offenheit und Herstellerunabhängigkeit:

Zweck des OSI-Modells ist, Kommunikation über unterschiedlichste technische Systeme hinweg zu ermöglichen und die Weiterentwicklung zu begünstigen. Dazu definiert dieses Modell sieben aufeinander folgende Schichten (engl. layers) mit jeweils eng begrenzten Aufgaben. In der gleichen Schicht mit klaren Schnittstellen definierte Netzwerkprotokolle sind einfach untereinander austauschbar, selbst wenn sie wie das Internet Protocol eine zentrale Funktion haben (Quelle: Wikipedia)

Heute setzen die großen digitalen Plattformen wie Google, Apple, Microsoft, Amazon oder Alibaba die Standards. Solange es der Bankenbranche nicht gelingt, eigene Standards zu definieren und auch durchzusetzen, wird das Banking über kurz oder lang von Google, Amazon & Co. in ihre Plattformen integriert.

Bereits im Jahr 2000 beschäftigte sich das Paper Financial Cryptography in 7 Layers mit der Frage, ob und inwieweit sich das OSI-Modlell auf die Finanzbranche übertragen lässt.

Gestern führte Bill Buchanan in In The Future, Banks Will Not Be Built With Bricks But On Cryptography die Gedanken weiter.

One area that I think the finance cryptography model differs from the OSI model is the requirement to expose things from layers which are not directly above or below the current layer. In the OSI model, for example, the application layer (Layer 7) does not see any of the data link layer details (Layer 2). But, in a finance cryptography model, it is important to expose details from other layers, in order to create an integrated system

Mit diesem integrierten Modell kann die Banken-Infrastruktur von Grund auf erneuert werden, was dann wiederum die Banken aber auch die Fintech-Industrie zu einem Umdenken zwingen würde:

Many will define the “FinTech industry” as a companies which are creating a finance-related applications, but, for me, properly innovative FinTech companies are aiming to disrupt existing methods and thinking, and build on a proper foundation of trust. They should thus have little in the way of baggage from the past, and will be building with the latest software engineering methods (Node.js, Python, Cassanda, GitHub, Docker, and so on), cryptography and distributed ledger methods.

Künftig sei es möglich, Reports und Bilanzen in Sekundenschnelle zu erstellen.

Es sei daher nötig, die Debatte nicht auf Bitcoin, digitale Währungen oder Blockchain  zu beschränken, sondern die Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen, die sich mit dem neuen Modell ergeben. Laut Buchanan können wir ein neues Internet entwickeln und unsere eigene Daten-Welt erschaffen.

Ähnliche Gedanken wie Buchanan äußerte Alec Roos in seinem Buch Die Wirtschaftswelt der Zukunft. Darin lässt er einen Startup-Gründer zu Wort kommen, für den Banken letztlich nichts anderes sind als digitale Hauptbücher. Für Norbert Häring besteht Banking im Wesentlichen aus speziellem Datenmanagement.

Zuerst erschienen auf Bankstil

Veröffentlicht unter Banking | Hinterlasse einen Kommentar